Ja
ich weiß, das hier kommt ziemlich spät. Immerhin bin ich nun seit fast zwei
Monaten wieder in Deutschland. Jedoch habe ich es einfach nicht so stehenlassen
wollen und habe meine Zeit gebraucht, alles noch einmal zu reflektieren. Also
jetzt meine letzten Worte zu meinem Auslandsjahr in Mosambik, viel Spaß dir ein
letztes Mal beim lesen meines Blogs...
„…Mittlerweile war es schon dunkel geworden. Weit und
breit weder vor noch hinter uns ein Auto und auch kein Dorf in Sicht. Ich war
schon kurz vorm einnicken, da gab es einen Knall, und das Auto fuhr plötzlich
komisch. Wir hielten an, stiegen aus und wie befürchtet war das linke Hinterrad
geplatzt... Leichte Panik stieg bei uns auf. Wir beide hatten selber noch nie
ein Rad gewechselt und waren auf uns alleine gestellt. Im leichten Licht einer
kleinen Taschenlampe fingen wir an nach unserem besten Wissen die benötigten
Gegenstände vorzubereiten, ständig im Hinterkopf, dass im hohem Gras
direkt neben dem kaputten Rad eine Menge Schlangen sein könnten und das
wir von Leuten aus dem Busch überfallen werden könnten. Ich versuchte trotzdem
ruhig zu bleiben, was aber beinahe unmöglich war, bei den hektischen Bewegungen
und durchgehend, lautem, panischem Gebet von Julia neben mir.
Ich war grade dabei mit einer Art großem Schraubschlüssel das Ersatzrad runter zu kurbeln, als am Horizont der Scheinwerfer eines Autos aufleuchtete. Da brach die Panik völlig aus…“ (Zitat aus meinem Blog, 5. Tag)
Ich war grade dabei mit einer Art großem Schraubschlüssel das Ersatzrad runter zu kurbeln, als am Horizont der Scheinwerfer eines Autos aufleuchtete. Da brach die Panik völlig aus…“ (Zitat aus meinem Blog, 5. Tag)
Wenn ich zurück denke, an den Anfang meines
Auslandsjahr, dann muss ich über mich selber lachen. Ich war so klein, naiv und
ahnungslos. Hätte ich damals gewusst was ich noch alles durchleben würde, so
wär ich wahrscheinlich sitzen geblieben und hätte beruhigt weiter geschlafen.
So war es aber nicht. Diese Situation war mein erster von vielen kleinen
Zusammenbrüchen.
Die Erfahrung ´Afrika´ schlug in mein zuvor wohl
behütetes Leben ein wie eine Bombe. Mit einem Schlag war alles anders. Die
Hitze, das Essen, die Kultur, neue Kleidungsart, neue unbekannte Sprachen-
keiner verstand mich, das Leid um mich herum, die komplizierte Wohnsituation,
die nicht meinen Fähigkeiten entsprechenden Arbeitsaufgaben und nie enden
wollenden Arbeitstage, die tiefe bisher unbekannte und gefühlt für alle ewig
andauernde Einsamkeit… Meine Gebete änderten sich von „Jesus bitte lass den Tag
heute zu einem schönen Tag werden“ zu „ Vater, ich flehe dich an, bitte gib mir
Kraft den Tag zu überleben und lass mich heute Nacht wieder in meinem eigenem
Bett schlafen“. Denn in der Zeit durchlebte ich mehr, als ich meinem
schlimmsten Feind jemals wünschen könnte. Es folgten ungewollte Übernachtungen
im Auto, eine beängstigende Beerdigung, unzählbare schlaflose Nächte, eine
lange Choleraphase die das Volk schier verrückt machte und zu extremer Gewalt
führte, sterbende Leute in meiner Umgebung und Unmengen an Ungerechtigkeit, bei
der ich leider nur tatenlos zusehen konnte.
Tausende Male fragte ich mich wieso ich überhaupt hier
war und wieso ich nicht einfach zurück nach Deutschland ging. Es war wegen den
Leuten die mir ans Herz gewachsen waren und die mich immer wieder motivieren
weiter zu gehen und stärker zu werden, und wegen der Gewissheit, dass Gott mich
genau an diesem Ort haben wollte – im Norden Mosambiks, Distrikt Nampula,
irgendwo umgeben von Busch. Und Gott hat mich die ganze Zeit durch nie
verlassen. Denn von damals, als ich mir in der Situation spät abends an meinem
grade mal 5. Tag in Afrika nicht habe vorstellen können, wie es noch irgendwie
schlimmer gehen könnte, bis zu den letzten Tagen in Afrika habe ich gelernt, es
geht immer schlimmer. Aber jede dieser schlimmen Momente habe ich mit Gott als
mein Schutz überlebt.
Fragt man mich Heute was mein schönstes Erlebnis in
Mosambik war, so muss ich sehr lange darüber nachdenken. Aber irgendwann kam
ich auf ein Ergebnis. Vor meiner Ausreise, traf ich mich mit meiner Vorgängerin
und fragte sie damals genau diese Frage. Sie antwortete: „Manchmal wenn man
grade irgendwo warten musste und da zufällig Kinder waren mit denen man spielen
konnte, das waren die schönsten Momente.“ Damals fand ich diese Antwortet etwas
komisch, heute könnte ich meine Unterschrift unter diese Aussage setzen. Denn
manchmal war ein zugeworfenes Handküsschen von irgendeinem Kind am Straßenrand,
bevor es kichernd weglief das schönste was in der Woche passierte.
Heute bin ich unbeschreiblich glücklich, dass diese
Reise hinter mir liegt. Dankbar für alle die mir da durchgeholfen haben. Und
jetzt liegt die nächste Reise vor mir. Die, in der ich mich neu kennenlernen
und meinen neuen Platz finden muss, weil ich mich durch einfach allem in dem
Jahr so sehr verändert habe. Aber jetzt bin ich stärker, mutiger, schlauer.
Ich
bin gewachsen.